Name des Begriffes: Traumafolgestörungen

PTBS

Die Erforschung und Behandlung psychischer Traumen hat in den letzten Jahren sehr große Fortschritte gemacht. Man hat zum Einen erkannt, dass psychische Traumen sehr viel häufiger sind als früher angenommen, zum anderen haben sich die Behand-lungsmöglichkeit nachhaltig verbessert.

Häufige Formen von psychischen Traumen sind: Kindheitstraumen und Akuttraumen.

Akuttraumen

Akuttraumen sind seelische Schocks, die auf einem in der Regel einmaligen Ereignis beruhen, beispielsweise Verkehrsunfälle. Bei den Opfern, aber auch bei den Einsatz-kräften (Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk oder auch bei militärischen Ein-satzkräften) können Situationen entstehen, die mit einem solch intensiven Gefähr-dungs- und Bedrohungsgefühl verbunden sind, dass die seelische Kapazität nicht ausreicht, sie vollständig zu verarbeiten. Die Betroffenen entwickeln dann sogenann-te posttraumatische Belastungsstörungen als Folge der unvollständigen Verarbeitung. Sie können beispielsweise an nichts denken, was an das Traumaereignis erinnert, oh-ne schwere Angst zu bekommen, sie gehen deshalb allen auch nur ähnlichen Situatio-nen aus dem Weg. Die unverarbeitet gebliebenen negativen Emotionen, die mit dem Traumaereignis verbunden waren, können unkontrolliert in das Gegenwartserleben eindringen, sei es als sogenannte Flashbacks (Nachhallerinnerungen), als nächtliche Alpträume oder als dauernd erhöhte emotionale Erregung (Hyperarousal). Manchmal versuchen die Betroffenen mit Hilfe von Alkohol, Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmedikamenten die Symptome zu bekämpfen, bis hin zu süchtigen Entwick-lungen. Die Arbeitsfähigkeit ist häufig schwer beeinträchtigt, die Betroffenen können ih-rem Beruf nicht mehr nachgehen, die allgemeine Leistungsfähigkeit ist durch den ständigen Abwehrkampf gegen die unverarbeiteten negativen Emotionen schwer her-abgesetzt.

In der Therapie ist einer der wichtigsten ersten Schritte die sachliche Informations-vermittlung über das Krankheitsbild, damit die Betroffenen nicht glauben müssen, ihre Symptome seien eine Folge von persönlichem Versagen oder Schwäche. Dies ist nicht der Fall.

Eine stationäre Psychotherapie ist dann sinnvoll, wenn die Symptome sehr ausgeprägt sind und die Fähigkeit zur Alltagsbewältigung schwer beeinträchtigt ist. An die anfäng-liche Phase der Informationsvermittlung schließt sich dann die vierphasige stationäre Traumatherapie an, die weiter unten ausführlicher geschildert wird.

Kindheitstraumen

Kinder und Jugendliche sind in einer ganz besonderen Weise auf Schutz angewiesen, um sich normal und gesund entwickeln zu können. Schwere Verletzungen dieser Schutzbedürfnisse kommen leider sehr häufig vor, sei es in Gestalt von Vernachlässi-gung, verbaler Aggressivität, tätlicher Gewalt oder sexuellem Missbrauch. Auch der Verlust von Eltern, schwere Erkrankungen der Eltern oder Vertreibungen können den nötigen Schutzraum so verletzen, dass für die Betroffenen die Situation seelisch un-verarbeitbar wird, d. h. ein Trauma ist entstanden. Es kann sich dabei um Einzelereig-nisse oder (beispielsweise bei Gewalt in der Familie) um eine Vielzahl von Ereignissen, ein sogenanntes Trauma-Netzwerk, handeln.

Im späteren Leben haben die Betroffenen entweder ein vages Wissen von solchen negativen Ereignissen und versuchen so wenig wie möglich daran zu denken oder sie wissen vom Verstand her sehr genau, was geschehen ist, können jedoch keine emo-tionale Verbindung zu den Ereignissen herstellen, weil die Emotionen überwältigend stark wären, so dass die Verarbeitung niemals abgeschlossen werden kann. Auch das Auslöschen ganzer Lebensabschnitte, die dann wie weiße Flecken in der eigenen Biografie wirken, kommt sehr häufig vor.

Mittlerweile ist klar geworden, dass solche traumatischen Ereignisse in der Entstehung zahlreicher Krankheiten eine wesentliche Rolle spielen. Anders ausgedrückt: die Er-krankungen sind in Wirklichkeit unvollständige Bewältigungsversuche. Bei allen Krankheiten, die mit zerstörerischem Verhalten gegen sich selbst oder auch gegen andere verbunden sind, ist es wahrscheinlich, dass eigene unverarbeitete Gewalter-fahrungen zumindest eine wesentliche Rolle bei der Entstehung spielen. Dies gilt bei-spielsweise für die sogenannten Borderlinestörungen, für selbstverletzendes Verhal-ten, für Süchte, für schwere Formen der Magersucht und Bulimie. Andere Betroffene versuchen so gut sie können, jede emotionale und gedankliche Verbindung mit sol-chen Kindheitstraumen zu vermeiden, sie fühlen sich in Folge dessen innerlich leer, energielos, leiden an Fremdheitsgefühlen sich selbst und ihrem Leben gegenüber und an chronischen Depressionen. Die Behandlung solcher Störungen kann deshalb nur als systematische Traumatherapie erfolgreich sein.

Behandlung

Das Krankmachende an Akuttraumen und Kindheitstraumen ist das darin enthaltende Übermaß an negativer emotionaler Energie. Für die Heilung ist deshalb ein verstan-desgemäßes Wissen über das, was geschehen ist nützlich und wichtig, noch wichti-ger ist aber, dass die negative emotionale Energie auf systematische Weise die Chan-ce bekommt, sich abzubauen und auf diese Weise ihre krankmachende Wirkung ver-liert. Es ist klar, dass der Umgang mit diesen starken seelischen Energien besonderer Schutz- und Sicherungsvorkehrungen bedarf, vielleicht vergleichbar dem Umgang mit starker elektrischer Energie. Stationäre Traumatherapie ist deshalb vierphasig aufge-baut, jede einzelne dieser Phasen führt zu einem Heilungsfortschritt.

Die Stabilisierungsphase

In der Stabilisierungsphase investieren die Patientinnen und Patienten viel Arbeit, den Einfluss der negativen entwicklungsbehindernden Muster, die sich in ihrem Leben ausgebreitet haben, zu erkennen und zu begrenzen. Der erste Schritt ist deshalb die Klärung, welche negativen Muster dies sind und in welcher Reihenfolge sie angegan-gen werden. Es kann sich um selbstverletzendes Verhalten, Formen der Magersucht und Bulimie, süchtiges Verhalten, aber auch chronisches Dissoziieren (Selbstentfrem-dung), Impulsdurchbrüche, Vermeidungsverhalten, unbehandelte Schlafstörungen aufgrund von Alpträumen handeln. Von größter Wichtigkeit sind die aktiven eigenen Entscheidungen der Patientinnen und Patienten, den Einfluss dieser Negativmuster auf das eigene Leben zu begrenzen und dann zu beenden. Nur aufgrund solcher eindeu-tiger und aktiver Entscheidungen, ist eine erfolgreiche Therapie möglich, ansonsten würde die Patientin / der Patient die Destruktivität, gerade gleichsam zur Vordertür hinausgeschickt, zur Hintertür wieder hereinlassen. Wir unterstützen diesen Stabilisie-rungsprozess mit sehr spezialisierten sogenannten Stabilisierungsprotokollen, die den Patientinnen und Patienten helfen, ihre eigene Stabilisierung in kleinen Schritten, von denen jeder einzelne gut geleistet werden kann, zu vollziehen. In manchen Fällen sind auch stabilisierende Medikamente sinnvoll und hilfreich. Grundsätzlich geben wir Me-dikamente nur in Absprache und Einvernehmen, da alle Behandlungen bei uns grund-sätzlich auf freiwilliger Basis stattfinden. In der Stabilisierungsphase kann auch die Be-schäftigung mit der sozialen Situation, z. B. der Wohn- und Berufssituation notwendig sein.

Ressourcenorganisation

Die Ressourcen (Fähigkeiten) sind gleichsam die Inneren Helfer. Allein schon die Ent-schlossenheit, den Einfluss der Krankheit zu begrenzen und gesund zu werden, ist ein sehr mächtiger Innerer Helfer. Nötig ist systematische Verbesserung des Kontaktes zu den eigenen Fähigkeiten, also Ressourcenorganisation. Auch hierfür ist wieder eine aktive Entscheidung erforderlich, mit den eigenen Fähigkeiten Verbindung aufzuneh-men, sie kennenzulernen, zu organisieren und auf das zu lösende Problem hin zu spezialisieren. Wir unterstützen dies im Rahmen der allgemeinen Therapiearbeit, er-gänzt durch hochspezialisierte traumatherapeutische Methoden (imaginative Verfah-ren, Ressourcenverankerung mit EMDR).

Exposition

Nach einer erfolgreichen Stabilisierungs- und Ressourcenorganisationsphase hat der Leidensdruck unter den unverarbeiteten traumatischen Ereignissen in aller Regel er-heblich nachgelassen, d. h. die Patientinnen und Patienten fühlen sich weit weniger be-lastet, die Symptomatik ist stark zurückgegangen. An diesem Punkt kann die Therapie dann, wenn die Patientinnen und Patienten sich alltagsstabil fühlen, stationär beendet und ambulant weitergeführt werden, sofern entsprechende ambulante Therapiemög-lichkeiten bereitstehen oder sie kann stationär weitergeführt werden. Auf jeden Fall können die Patientinnen und Patienten mitentscheiden, ob sie eine direkte Auflösung des unverarbeiteten Traumas (Exposition) angehen wollen. Wir verwenden hierzu als traumatherapeutische Methode das EMDR (Eye Movement Desensitization and Re-processing) nach Shapiro, das bestuntersuchte, und nach unserer Einschätzung bestwirksame traumatherapeutische Verfahren. EMDR aktiviert die natürlichen seeli-schen Heilungsvorgänge auf eine hochintensive und gut steuerbare Weise. Wir prakti-zieren EMDR als Einzel- und auch als Gruppentherapie.

Neurorientierungsphase

Der zurückgedrängte Einfluss krankhafter Negativmuster und unverarbeiteter Trau-mata macht Platz für neue Lebensentwürfe, so dass hier wieder viele sorgfältig zu überdenkende Entscheidungen über die nächsten richtigen Schritte in der eigenen Entwicklung anstehen. In dieser, wie in allen anderen Phasen der Therapie, ist deshalb die Einbeziehung der Familien wichtig, seien es Eltern und Geschwister oder auch Partner und eigene Kinder.

Die Erfolge dieser vierphasigen stationären Traumatherapie sind sehr gut, unter ande-rem deshalb, weil sie sehr systematisch den natürlichen Heilungsprozess organisiert und den Patientinnen und Patienten dadurch die Möglichkeit gibt, ihre Heilungsenergien maximal auf den jeweils nächsten Schritt zu konzentrieren.

Synonyme: PTBS, Posttraumatische Belastungsstörungen, Akuttraumen, Kindheitstraumen, Traumata
Sprache des Begriffs (2 Zeichen ISO Code): de

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