Name des Begriffes: Essstörungen

Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Esssucht, Binge-Eating, alle anderen Essstörungen

Die am häufigsten behandelten Essstörungsformen in der Klinik sind Magersucht, Bulimie, Binge-Eating und Esssucht.

Die stationäre Psychotherapie bei Essstörungen hat enorme Fortschritte gemacht. Letztlich hat sich gezeigt, dass im Grunde jede Patientin / jeder Patient ihre Essstörung überwinden kann, wenn sie / er klare Entscheidungen trifft, ihr / sein eigenes seelisches Selbstheilungssystem zu nutzen lernt und ihren / seinen eigenen Heilungsprozess mit einer gewissen Systematik betreibt, d. h. Schritt für Schritt aufbaut. Sache der Klinik ist es, einen therapeutischen Rahmen zu schaffen, der diese Entwicklung fördert und unterstützt. Mit dieser Arbeitsweise sind Behandlungsabbrüche oder Behandlungsmisserfolge erfreulicherweise die Ausnahme geworden, viele Patientinnen mit Magersucht, Bulimie und Binge-Eating schließen ihre stationäre Psychotherapie symptomfrei ab.

Magersucht und Bulimie sind zwar beide Essstörungen, von ihrer Entstehung und ihrer Behandlung her aber sehr unterschiedliche Erkrankungen. Grundsätzlich beginnt die Behandlung mit einer Stabilisierungsphase, sie dient dem Ziel, zunächst Kontrolle über die Symptomatik zu bekommen und zwar in angemessenen kleinen Schritten. Wichtig ist nur, dass sich die Patientin eindeutig für diese schrittweise Stabilisierung entscheidet, Zwangsmaßnahmen würden diese Stabilisierung nur stören und finden bei uns nicht statt. Im Verlauf der anfänglichen Stabilisierungsphase verliert die Essstörung ständig an Einfluss, normales Lebensgefühl, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen nehmen kontinuierlich zu. Dies kann unterstützt werden durch die modernen Formen der sogenannten Ressourcenorganisation, die bei uns einen ungewöhnlich großen Stellenwert haben. Die Therapie besteht nämlich nicht, was meist angenommen wird, nur aus der Beschäftigung mit Problemen, sondern genauso intensiv aus der Beschäftigung mit all dem, was die Patientin stärker macht. Dies ist der ganze Bereich der sogenannten inneren Helfer, also der hilfreichen Emotionen, das Kennenlernen von Situationen, die zum Stärker-Werden geeignet sind und die Fähigkeit, emotionale Belastungen zu regulieren. Dadurch werden auch die Voraussetzungen geschaffen, sich mit solchen emotionalen Belastungen, von denen die Essstörung ausgelöst und unterhalten wurde, zu beschäftigen. Dies findet in der sogenannten Expositionsphase statt. Wir haben das sogenannte EMDR, ein traumatherapeutisches hochwirksames Verfahren hierfür weiterentwickelt. Dieses schrittweise Vorgehen hat den Vorteil, dass zu keinem Zeitpunkt eine Überforderung stattfindet.

Bei Esssucht ist das vorrangige Behandlungsziel nicht etwa das Abnehmen, also das Weniger-Werden, sondern das Mehr-Werden und zwar das Wachstum der Persönlichkeit. Esssüchtige sind in der Gegenwart erfahrungsgemäß ständig Entwertungen bis hin zu Demütigungen ausgesetzt, mindestens aber Belehrungen. Sie gehen auch selbst in diesem Stil mit sich um, nehmen Einmischungen, Belehrungen und Entwertungen hin. Die emotionale Folge ist eine Selbstentwertung, die eigene Person, das eigene Selbst wird als gering und schwach wahrgenommen. Esssüchtige wissen in Folge dessen sehr viel darüber zu sagen, was an ihnen nicht in Ordnung ist, was sie ändern müssten, wie sie eigentlich sein müssten, was sie alles falsch machen und so fort. Sie wissen aber sehr wenig darüber, wo ihre tatsächlichen Fähigkeiten, ihre Persönlichkeit und ihre Wachstums- und Entwicklungslinien liegen. An diesen beiden Mustern setzt in Folge dessen auch die Behandlung an. Zum Einen müssen die Negativmuster der Selbstentwertung gebremst und zum Anderen muss die Wahrnehmung für das eigene gesunde Selbst gefördert werden. Wenn dies Fortschritte macht, fällt es sehr viel leichter, das entgleiste Essverhalten unter Kontrolle zu bringen, weil das Essverhalten nicht mehr dem folgt, was Andere für richtig halten, sondern dem gewachsenen Gefühl für die eigene Gesundheit. Der Erfolg einer solchen Therapie zeigt sich dem zufolge in einer stark gewachsenen Selbstsicherheit, auch im Umgang mit den  Mitmenschen, die hierüber regelmäßig ziemlich irritiert sind. Im Zuge dieser Entwicklung und im Zuge der Normalisierung des Essverhaltens reduziert sich das Körpergewicht meist maßvoll und langsam. Was sich vor allem ändert, ist das Gefühl für die eigene Person und der Lebensstil.

Bei akut gesundheitsgefährdenden Formen von Esssucht hat die Gewichtsreduktion naturgemäß höhere Priorität. Wenn Zuckerkrankheit, Gelenkschäden, Störungen der Atmung oder des Herzkreislaufsystems aufgetreten sind, sollte die stationäre Behandlung so lange dauern, bis das Gewicht sich in den nicht akut gesundheitsgefährdenden Bereich normalisiert hat.

Auch die Behandlung von Esssucht hat sehr von der modernen Traumatherapie profitiert. Man weiß heute, dass in der Lebensgeschichte von Esssüchtigen außerordentlich häufig starke emotionale Negativerfahrungen vorgekommen sind, es kann sich dabei um seelische Verletzungen, häufig auch um körperliche Übergriffe gehandelt haben. Im Verlauf einer erfolgreichen Psychotherapie können die Patientinenn und Patienten entscheiden, ob sie die Strategien der modernen Traumatherapie nutzten, um solche emotionalen Altlasten durchzuarbeiten und aufzulösen.

Synonyme: Bulimie, Esstörung, Magersucht, Esssucht, Binge-Eating, Anorexie

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