Name des Begriffes: Borderline Persönlichkeitsstörungen

insbesondere Borderline-Störungen

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird auch als emotional instabile Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Beide Begriffe haben sich allgemein durchgesetzt, man sollte aber darüber hinaus im Sinn behalten, dass Borderline-Patientinnen und -Patienten nicht nur gestört sind, sondern auch zahlreiche und bemerkenswerte Fähigkeiten haben. Dies ist wichtig, um nicht ein falsches Bild der Betroffenen zu bekommen. Es ist wichtig, diese Fähigkeiten wahrzunehmen, um sich mit ihnen in der Therapie zu verbünden.

Die Borderline-Störung scheint die Reaktion der sich entwickelnden kindlichen Seele auf besonders harte Entwicklungsbedingungen zu sein, die gleichsam eine "Gegenhärte" als Überlebensstrategie hervorrufen. Merkmale der kindlichen Entwicklungsbedingungen von späteren Borderline-Patientinnen und -Patienten sind eine Vielzahl von emotionalen Überforderungen durch verbale Verletzungen, emotionale Instabilität der Eltern (oder anderen Erziehungspersonen), Instabilität der frühen Entwicklungssituation im Ganzen, Häufung von körperlichen Gewalterfahrungen und sexuellen Übergriffen, einem generellen Mangel an Sicherheit, Friedlichkeit und Stabilität. Auf der positiven Seite fällt auf, dass Borderline-Patientinnen und -Patienten oft über viel Kreativität, Mut und Unkonventionalität verfügen.

Zur Krankheit wird die Borderline-Störung dadurch, dass die Betroffenen die "Strategie der Härte", die sie als Kinder passiv erleben mussten, nun in der Gegenwart auf eine unangemessene und für sie selbst sehr schädliche Weise weiterpraktizieren. Typisch sind selbstverletzendes Verhalten, aggressive Impulsdurchbrüche, eine generelle Bereitschaft, Destruktivität zu leben, die Folgen davon zu bagatellisieren und zu verleugnen.

Solche Lebensstile können als Negativmuster bezeichnet werden und die stationäre Psychotherapie beginnt damit, diese Negativmuster zu erkennen, sich gegen sie zu entscheiden und sie unter Kontrolle zu bringen. Dies ist die Stabilisierungsphase der Borderline-Therapie. Häufig steht am Anfang das Entwickeln der Fähigkeit, selbstverletzendes Verhalten vollständig zu kontrollieren und zu unterlassen. Erst durch dieses Stoppen der Negativmuster entwickeln sich innere Freiräume, Suchprozesse nach besseren, friedlicheren Lösungen und Lebensstilen.

Die Fähigkeit von Borderline-Patientinnen und -Patienten, solche meist Jahre und Jahrzehnte lang praktizierten Negativmuster zu stoppen, ist erstaunlich hoch. In unserer systematisch durchgeführten Stabilisierungsphase bei Borderline-Störungen kommen Behandlungsabbrüche durch Rückfälle nur selten vor. Dies stellt auch für die Patientinnen und Patienten ein starkes Erfolgserlebnis dar und bereitet die Therapiephase der Ressourcenorganisation vor. In dieser Phase wenden die Patientinnen und Patienten viel mehr Zeit als vor der Behandlung für das Kennenlernen ihrer Fähigkeiten und Stärken und ihrer eigenen positiven Entwicklungslinien auf. Das Selbstbild speist sich dann nicht mehr nur aus der Bereitschaft zur Härte und Destruktivität, sondern aus positiven Dingen, oft sind das Herzlichkeit, Kreativität, Offenheit und ein starker Lebenswille.

Die stationäre Borderline-Therapie folgt bei uns in vier Phasen nach Mergentheimer Modell. Sobald die Patientinnen und Patienten sich durch systematische Stabilisierung und Ressourcenorganisation in einer wesentlich besseren Verfassung befinden, wird die Behandlung meist als Intervalltherapie fortgeführt mit einem Alltagsintervall von ca. 6 - 12 Monaten. Im zweiten Intervall kann die Stabilisierung weiter verbessert und fortgeführt werden und es können im Sinne der Exposition einzelne geeignete, nicht zu starke emotionale Belastungssituationen durchgearbeitet werden, beispielsweise mit den Methoden der modernen Traumatherapie (EMDR). Geeignet sind meist aktuelle Belastungen, die zum Durcharbeiten und Auflösen gewissermaßen eine handliche Größe haben, während schwerste Traumata der Lebensgeschichte noch eine Weile zurückstehen müssen. Eine Beschäftigung hiermit empfiehlt sich meist erst nach 2 bis 3 erfolgreich absolvierten Therapieintervallen, in denen sich ein gesunder, borderlinefreier Lebensstil in den wichtigsten Lebensbereichen entwickeln konnte. Für das Durcharbeiten solcher schwerer emotionaler Traumata verwenden wir adaptierte Formen von EMDR, notwendig ist dieses Durcharbeiten nur, wenn die / der (ehemalige) Borderline-Patientin / -Patient das Gefühl hat, dass davon in der Gegenwart immer noch  wahrnehmbare emotionale Belastung ausgeht.

Synonyme: Borderline, Persönlickeitsstörungen

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