Die Kunst- oder Gestaltungstherapie stellt das Erleben der Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt des therapeutischen Prozesses, nicht die Leistung. Der Entstehungsprozess der Gestaltung, die damit verbundenen Gefühle und das Gestaltungsobjekt sind Elemente des therapeutischen Geschehens. An das Gestaltete werden keinerlei ästhetische Bewertungskriterien gestellt. Die Patientinnen und Patienten werden zu einem spontanen bildnerischen Ausdruck angeregt, der es ihnen ermöglicht, ihre Gefühle auszudrücken und innere Bilder nach außen zu bringen. Noch Unbewusstes kann leichter in den Bereich von Bewusstsein und Wahrnehmung gelangen, als dies durch die rein sprachliche Ebene möglich wäre.

Ziel der Kunsttherapie ist es, über diesen kreativen Prozess zur Selbsterfahrung zu gelangen. Das während des Gestaltens primärprozesshaft Erlebte wird in dem sich anschließenden Gruppengespräch in den "Sekundärprozess" überführt. Die Patientinnen und Patienten stellen ihre Werke in die Mitte der Gruppe. Damit werden die Gestaltungen zu einem Gegenüber, mit dem die Gruppenmitglieder sowie -leiterinnen und -leiter in Beziehung treten können. Hierbei erleben wir sehr oft, dass insbesondere die Patientinnen und Patienten, die noch nicht offen über sich sprechen können, mit Hilfe ihrer Gestaltung einen intensiven symbolischen Ausdruck finden. Diese symbolische Ausdrucksebene kann konkretisiert oder auf ein spezifisches Erlebnis zurückgeführt werden und als Ausdruck der eigenen Lebendigkeit erlebt und verstanden werden.